Finanzmodellierung verstehen – ohne Fachjargon
Wir schreiben hier nicht über Theorien aus Lehrbüchern. Es geht um echte Probleme, die uns in Projekten begegnen – und wie wir sie gelöst haben. Manchmal elegant, manchmal holprig.
So bauen wir unsere Modelle auf
Jedes Projekt läuft anders. Aber es gibt drei Phasen, die wir fast immer durchlaufen – mal schneller, mal langsamer, je nachdem was der Kunde braucht.
Daten sammeln und aufräumen
Niemand hat perfekte Daten. Wir holen sie aus verschiedenen Systemen, prüfen Plausibilität und schaffen eine Basis, auf der man rechnen kann. Das dauert oft länger als gedacht.
Annahmen treffen und dokumentieren
Hier wird es spannend: Welche Wachstumsraten sind realistisch? Wie entwickeln sich Kosten? Wir formulieren Annahmen transparent – damit später niemand rätselt, woher Zahlen kommen.
Szenarien durchspielen
Was passiert, wenn die Nachfrage sinkt? Oder ein großer Kunde ausfällt? Wir rechnen verschiedene Fälle durch – nicht um alles vorherzusagen, sondern um vorbereitet zu sein.
Warum viele Modelle scheitern (und wie man das verhindert)
Die häufigsten Fehler? Zu viele Details am Anfang. Formeln, die keiner mehr versteht. Annahmen, die irgendwo versteckt liegen. Wir haben das selbst erlebt – in unserem ersten großen Projekt 2019 hatten wir ein Modell mit 47 Tabellenblättern. Hat keiner mehr durchgeblickt. Heute arbeiten wir mit klaren Strukturen: Eine Seite für Annahmen, eine für Berechnungen, eine für Ergebnisse. Nicht schöner, aber verständlicher.
Excel oder spezialisierte Software?
Excel ist nicht sexy, aber es funktioniert. Die meisten unserer Kunden arbeiten damit, und für viele Szenarien reicht es völlig aus. Spezialisierte Tools haben ihre Berechtigung – wenn Modelle sehr komplex werden oder viele Nutzer gleichzeitig daran arbeiten. Aber oft ist Excel flexibler und schneller angepasst. Die Frage ist weniger „Was ist das beste Tool?" sondern „Was kann dein Team bedienen?"
Wie oft sollte man Modelle aktualisieren?
Kommt drauf an. Startups mit schnellem Wachstum: mindestens monatlich. Etablierte Unternehmen mit stabilen Zahlen: quartalsweise kann reichen. Wichtiger als die Frequenz ist die Frage, ob das Modell noch die Realität abbildet. Wenn sich Geschäftsmodell oder Marktbedingungen ändern, muss das Modell mitwachsen. Wir empfehlen: Feste Review-Termine setzen und dann schauen, ob Anpassungen nötig sind.
Was macht ein gutes Finanzmodell aus?
Transparenz steht an erster Stelle. Wenn jemand anderes dein Modell öffnet und nach zehn Minuten die Logik versteht, hast du gute Arbeit geleistet. Flexibilität ist wichtig – Annahmen sollten leicht änderbar sein. Und Robustheit: Das Modell sollte auch bei extremen Eingaben nicht abstürzen. Schönheit kommt erst danach. Ein Modell muss funktionieren, nicht perfekt aussehen.
Die Köpfe hinter den Artikeln
Zwei Perspektiven, unterschiedliche Hintergründe – aber beide mit Jahren Erfahrung in Finanzplanung und Modellierung.
Kerstin Lundgren
Strategische Planung
Früher im Corporate Finance bei mittelständischen Unternehmen, heute selbständig. Kerstin schreibt über langfristige Planung, Wachstumsmodelle und die Frage, wie man Finanzprognosen realistisch hält.
Dragan Vasić
Technische Umsetzung
Hat in der Investmentbranche angefangen und dort komplexe Bewertungsmodelle gebaut. Dragans Themen: Excel-Tricks, Fehlerquellen in Formeln und wie man Modelle wartbar hält.